Gedenken an den 11. Mai 1942
80 Jahre liegt eines der schlimmsten Nazi-Verbrechen im Landkreis Hildburghausen zurück. Das Gedenken an diese Gräueltat wird im Kreis nach wie vor aufrechterhalten.
Der 11. Mai 1942 – dieses Datum ging als folgenschwerer Tag in die Chroniken des Landkreises Hildburghausen ein. An jenem Montag, vor genau 80 Jahren, mussten 19 polnische Häftlinge und ein polnischer Zwangsarbeiter durch die brutale Hand der Nationalsozialisten sterben.
Vorausgegangen war der Mord an einem deutschen Oberwachtmeister in einem Waldstück zwischen Poppenhausen und Einöd, den zwei Zwangsarbeiter zu verantworten hatten, nachdem sie von dem Gendarmen zusammengeschlagen wurden.
Als Abschreckungsmaßnahme veranlassten die Nationalsozialisten die Erhängung des noch auffindbaren polnischen Zwangsarbeiters sowie 19 weiterer und zugleich völlig unbeteiligter, polnischer Staatsbürger, die im Konzentrationslager Buchenwald interniert waren, an eben jener Stelle im heutigen Gebiet der Stadt Heldburg.
Um diese grausame Tat nicht zu vergessen und sie nachkommenden Generationen zugänglich zu machen, steht seit den sechziger Jahren unmittelbar an der Stelle der Ermordungen ein Denkmal für die Verstorbenen. Darauf zu finden sind auch die Namen der ermordeten Polen, die durch die akribische Recherche mehrerer ehrenamtlicher Historiker, aus dem Landkreis Hildburghausen, allen voran Herrn Bernd Ahnicke, aufgetan werden konnten. In den Folgejahren kamen weiterhin grenzübergreifende deutsch-polnische Bildungsprojekte rund um das Ereignis im Mai 1942 und weiterer Verbrechen der Nationalsozialisten zustande.
Am 21. Mai 2022 fand die diesjährige Gedenkveranstaltung an der Gedenkstätte Poppenhausen statt. Neben Landrat Thomas Müller und dem VG-Vorsitzenden und Bürgermeister der Stadt Heldburg Christopher Other nahmen auch der polnische Konsul Marcin Król, der Leiter der Stelle für strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora Rikola-Gunnar Lüttgenau und Vertreter der Kirchen teil. Auch eine polnische Schülerdelegation war im Rahmen einer Projektreise anwesend.
„Es überkommt einen bei jedem Besuch der Gedenkstätte diese tiefe Betroffenheit, die der Ort und seine Historie mit sich bringt“, sagte Landrat Thomas Müller in seiner Rede. „Es tut aber gut zu wissen, dass das Gedenken an diese schreckliche Tat auch 80 Jahre später noch so präsent ist, wie wir es heute hier erleben dürfen. Ich danke allen, die sich für das Gedenken an die Gräueltaten einsetzen und uns diese Mahnung nicht vergessen lassen.“
„Das Geschehene beschreibt die dunkelste Stunde des Heldburger Unterlandes“, erklärte Bürgermeister Christopher Other in seiner Ansprache. „Uns ist es ein Anliegen das Gedenken zu bewahren. Auch aus diesem Grund haben wir als Stadt in den vergangenen Monaten das Denkmal restaurieren lassen, damit auch die bauliche Komponente der Gedenkveranstaltung gerecht werden kann. Wir danken auch dem Landkreis für die dahingehende finanzielle Unterstützung.“
Der polnische Konsul sprach den Organisatoren große Anerkennung für die Aufrechterhaltung der Erinnerung an seine ermordeten Landsleute aus. „Auch heute haben wir es wieder mit einem erschreckenden Krieg zu tun, der Polen als direkten Nachbarstaat der Ukraine betrifft“, so Marcin Król.
Rikola-Gunnar Lüttgenau von der KZ Gedenkstätte verlas aus der Pfarrchronik des Autenhausener Pfarrers Johann Krauß, der am 11. Mai 1942 Augenzeuge des Geschehens wurde. Diese schockierende Darstellung der Ereignisse ist auch Teil der Ausstellung im KZ Buchenwald. Darin beschreibt Pfarrer Krauß zum Beispiel den Akt der Hinrichtung:
„Eben steigt einer hinauf, in Sträflingskleidung […], das Abzeichen der Polen (P) auf der Brust. Aber merkwürdig, wie ruhig das alles geht. Er wankt nicht mit den Knien! Er wehrt sich nicht! Er schreit nicht. Er weint nicht. Mutig, still und stumm steigt er hinauf, die Hände auf dem Rücken gefesselt. […]. Einer der 3 Henker […] legt die Schlinge um den Hals. Ein Druck auf einen Hebel und schon hat sich das Brett unter seinen Füßen gesenkt. Ein kleines Zucken mit den Knien! Nach 1 ½ bis 2 Minuten wird er abgenommen und rasch an eines von den 3 Gerüsten zur Schau gehängt. Es ist furchtbar mit anzusehen, wenn ein Mensch mit einer unsterblichen Seele so sterben muss wie ein Tier!“
Die Gedenkveranstaltung soll selbstverständlich auch in den kommenden Jahren stattfinden. Denn auch wenn die Zeit voranschreitet und die Tat schon über ein halbes Jahrhundert zurückliegt, darf sie niemals in Vergessenheit geraten.