Landkreis startet in Reurieth mit der Kindertagesstätte »Sonnenschein« neues ThEKiZ-Projekt
ThEKiZ, steht für Thüringer Eltern-Kind-Zentrum. Doch was macht ein ThEKiZ aus und was passiert da im Kindergarten Reurieth?
Bei einem ThEKiZ geht es darum, die Zukunft von Kindern und Familien vor Ort mit zu gestalten und dass über den räumlichen Bereich der Kindertagesstätte hinaus. Ein Eltern-Kind-Zentrum ist damit eine Kindertageseinrichtung mit besonders ausgeprägter Familien- und Sozialraumorientierung. Das bedeutet, dass die Bedürfnisse und Impulse der Familien, wie auch die besonderen Bedingungen vor Ort, zusätzlich im Fokus der pädagogischen Arbeit in der Kindertagesstätte liegen. Entsprechend der „neuen“ Anforderungen entwickelt die Kindertagesstätte zusammen mit den Familien und weiteren Akteuren in der Umgebung - wir nennen das Sozialraum - neue bzw. zusätzliche Angebote der Begegnung, Beratung, Bildung und Begleitung für Familien. Das können Kooperationen mit dem Sportverein sein, einem Mehrgenerationenhaus, der Grundschule im Nachbarort oder der ansässigen Seniorengruppen. Ob hier Angebote zur Gesundheitsförderung, Medienbildung oder Familienberatung entwickelt werden, obliegt der Einrichtung, denn jedes ThEKiZ setzt sich andere Schwerpunkte.
Das Format der Thüringer Eltern-Kind-Zentren gibt es im Freistaat Thüringen seit 2010. In der bis 2014 angelegten Modellphase starteten dabei insgesamt 10 Kindertagesstätten mit der Weiterentwicklung ihrer Einrichtungskonzeptionen und ihrer Angebote. Die schrittweise Evaluation von Kindertagesstätten zu Thüringer Eltern-Kind-Zentren wurde landespolitisch festgeschrieben und die Förderung dieser seit 2019 über das Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen (LSZ)“ geregelt. Begleitet wird das Programm durch die Landeskoordinations- und Fachstelle ThEKiZ in Erfurt, hier im Landkreis sind die primären Ansprechpartner die Sozialplanung und die Kita-Fachberatung im Landratsamt Hildburghausen.
Auf der Thüringenkarte war der Landkreis Hildburghausen in puncto ThEKiZ bisher ein weißer Fleck. 2022 startete die Sozialplanung dann das Format „Orte der Begegnung“ im LSZ. Die Mikroprojektförderung sollte es Vereinen, sozialen Trägern oder auch Kommunen ermöglichen, zentrale Begegnungsstätten in ihren Gemeinden weiterzuentwickeln oder wieder neu zu beleben. Als erste Kindertagesstätte überhaupt, meldetet sich der Kindergarten „Sonnenschein“ in Reurieth für ein LSZ-Förderprojekt. Mit großem Engagement stellte Katharina Mijuskovic, Leiterin der Kindertagesstätte „Sonnenschein“ Reurieth, ihre vielen Ideen vor und begann kurz darauf mit der Planung des Projektes und der Intention, im Kindergarten Reurieth ein ThEKiZ aufzubauen. Dank des ehrenamtlichen Engagements dreier Gemeindemitglieder konnte ein generationsübergreifendes Angebot für die Kindergartenkinder gestartet werden. Nach Gesprächen mit Annette Häfner (Bürgermeisterin der Gemeinde Reurieth) und Dagmar Dummer (Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Feldstein) wurde dann die Kita-Fachberatung und die Sozialplanung des Landkreises Hildburghausen in die Planung und den Aufbau eines Thüringer Eltern-Kind-Zentrums im Kindergarten Reurieth mit eingebunden. Der Plan steht und die Fördermittel wurden für 2024 beantragt.
„Auch die Familien der Kindertagesstätte Reurieth wurden über einen ersten Elternbrief über das Vorhaben informiert,“ berichtet Sozialplanerin Jessica Weinland-Schmidt. Bereits in 2023 standen finanzielle Mittel für den Planungsprozess, d.h. für Sach- und Personalkosten zur Verfügung. Erste kleine Projekte wurden bereits umgesetzt.
„Uns geht es vor allem darum, mit den Familien, also Eltern, Geschwistern und Großeltern eine gute Zusammenarbeit zu entwickeln und Unterstützungsangebote zu unterbreiten“ bemerkt Katharina Mijuskovic. „Deshalb bereiten wir zusammen mit den Verantwortlichen der Kreisverwaltung einen Workshop vor, um die Familien am Planungsprozess frühzeitig zu beteiligen und vor allem aufzunehmen, was die Interessen, Ideen und Bedarfe der Familien sind,“ so Katharina Mijuskovic weiter. Daraus werden dann weitere Ziele definiert und konkrete Angebote in der Kindertagesstätte verwirklicht. Erste Kooperationspartner im Sozialraum und darüber hinaus sind bereits gefunden. So wird es beispielsweise eine „Kinderbibliothek“ in der Einrichtung geben, welche mit der Kreis- und Stadtbibliothek realisiert werden kann. Auch ein Eltern-Café ist angedacht, um einen regelmäßigen Austausch zu ermöglichen.
Ideen gibt es viele. Insbesondere die Unterstützung durch die Gemeinde als Träger und die Verwaltungsgemeinschaft werden als essentiell angesehen, um das Vorhaben nachhaltig umsetzen zu können.